Zwischen Ferienidylle und Wohnraummangel – wie Rostock den Spagat meistern muss

Rostock ist eine Stadt, die man lieben muss: das Meer, die Altstadt, die Kultur – und natürlich Warnemünde mit seiner maritimen Lebendigkeit. Doch hinter dieser attraktiven Fassade zeigt sich ein wachsendes Spannungsfeld, das viele Bürgerinnen und Bürger beschäftigt: Wie lässt sich der Tourismus in Rostock fördern, ohne den ohnehin knappen Wohnraum weiter zu verknappen?

Tourismus als Lebensader – und als Belastung

Der Tourismus ist eine zentrale Lebensader der Hansestadt Rostock. Hotels, Gastronomie und Freizeitbetriebe sichern Tausende Arbeitsplätze und tragen maßgeblich zur Wirtschaftskraft Mecklenburg-Vorpommerns bei. Gleichzeitig zeigt sich die Kehrseite des Erfolgs: Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum in Rostock steigt – nicht nur durch Gäste, sondern auch durch Menschen, die hier dauerhaft leben und arbeiten möchten.

Das Ergebnis: Beschäftigte in Hotellerie, Gastronomie oder maritimer Industrie finden kaum noch geeignete Wohnungen. Selbst Fachkräfte mit solider Ausbildung stoßen an Grenzen. Eine Dreizimmerwohnung in zentraler Lage? Oft Glückssache – und nicht selten nur im fünften Stock eines Plattenbaus ohne Aufzug.

Ferienwohnungen – Segen und Fluch zugleich

Ein wesentlicher Faktor im Wohnraummangel Rostocks sind private Ferienwohnungen, die ursprünglich als charmante Ergänzung zum Hotelangebot gedacht waren. Inzwischen entziehen sie dem Markt spürbar regulären Wohnraum. Viele Objekte stehen außerhalb der Saison leer, weil Eigentümer sie nur wenige Wochen im Jahr selbst nutzen.

Zwar existieren in Rostock Satzungen, die eine Zweckentfremdung von Wohnraum verhindern sollen – doch die Realität zeigt: Papier ist geduldig. Ohne konsequente Kontrolle und Durchsetzung bleibt jede Regelung wirkungslos.

Marktkräfte allein werden es nicht richten

Der Immobilienmarkt regelt vieles – aber eben nicht alles. Wenn Marktmechanismen zu einseitig wirken, braucht es politische und wirtschaftliche Impulse. Rostock muss neue Wege gehen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, insbesondere für die Menschen, die den Tourismus tagtäglich möglich machen.

Vorbild könnten Modelle aus Österreich oder Bayern sein: Dort ist es längst Standard, dass bei neuen Hotelprojekten auch Wohnraum für Mitarbeitende mitgeplant wird. Warum sollte das in Rostock nicht genauso funktionieren? Kooperationen zwischen Stadt, Wirtschaft und Investoren könnten hier echte Lösungen schaffen.

Gemeinsam denken statt gegeneinander argumentieren

Tourismus und Stadtentwicklung dürfen keine Gegensätze sein – sie sind zwei Seiten derselben Medaille. Verbesserte Infrastruktur, gepflegte öffentliche Räume, sichere Radwege und kulturelle Angebote nützen Einheimischen wie Gästen. Nur wenn beide Perspektiven zusammengedacht werden, bleibt Rostock langfristig lebenswert.

Rostock braucht Balance statt Einseitigkeit

Rostock darf nicht zur reinen Ferienkulisse werden. Der Tourismus ist eine Chance – aber auch eine Verantwortung. Wirtschaftliches Wachstum muss mit sozialer Balance einhergehen. Das erfordert Mut, klare Entscheidungen und das Bewusstsein, dass Wohlstand und Lebensqualität nur gemeinsam funktionieren.

Rostock steht vor einer entscheidenden Frage: Wollen wir eine Stadt der Urlauber – oder eine Stadt zum Leben?
Die Antwort sollte klar sein.

Ausführlich besprechen wir dies in unserem Podcast! Jetzt reinhören!